Beiträge vom November, 2006

Pressespiegel: Mit Asche mächtig Kohle machen

Mittwoch, 29. November 2006 15:16

Von Alexander Hofmann, Sydney
29. November 2006
Über die Jahre hat der Sport so manche sonderbare Trophäe hervorgebracht: riesige Silberschüsseln, goldene Teller oder monströse Kristallscheußlichkeiten, aber wohl kaum eine merkwürdigere und mehr verehrte als eine kleine, mit Asche gefüllte Terrakotta-Urne. Um “The Ashes” streiten sich derzeit einmal wieder die Cricket-Spieler aus Australien und England in einem der ältesten sportlichen Wettbewerbe der Welt.

Nicht nur in diesen beiden Ländern, sondern in der gesamten Cricket-Welt, die in etwa dem alten britischen Kolonialgebiet entspricht, löst allein der Gedanke an die nur knapp zehn Zentimeter hohe sportliche Reliquie Ehrfurcht aus. Dabei wird wahrscheinlich nie ganz klar sein, welche Asche nun wirklich in der Urne ist. Aber auch dieses Rätsel trägt nur noch zum Zauber bei.

164.747 Zuschauer im Stadion

Fest steht, daß nach dem ersten Sieg der australischen Kolonien gegen das Mutterland in London die “Sporting Times” 1882 einen ironischen Nachruf auf das englische Cricket veröffentlichte: am 29. August sei es gestorben. “Die Leiche wird kremiert und die Asche mit nach Australien genommen”, hieß es weiter in der Zeitung. Andere Blätter zogen mit, und als sich die Engländer Ende 1982 nach Australien aufmachten, wurde dies als die “Suche nach der Asche” bezeichnet. Die Engländer gewannen prompt und nahmen eine kleine Urne mit auf die wochenlange Heimreise, die ihnen von einigen Damen der feineren Gesellschaft geschenkt worden war. Nach letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen enthält sie tatsächlich die verbrannten Überreste eines Teils der Cricketausrüstung und nicht – wie zwischenzeitlich behauptet – die eines Brautschleiers.

Von diesen spleenigen Ansätzen ist die alle zwei Jahre stattfindende Ashes-Tour mittlerweile weit entfernt. Sie ist zu einem sportlichen Großereignis geworden, das beweist: Mit Asche kann man mächtig Kohle machen. Das erste Länderspiel, das am Montag mit einem Sieg der Australier zu Ende ging, wurde in Brisbane von 164.747 Zuschauern besucht, nach australischen Schätzungen werden die englischen Fans weit über 100 Millionen Euro auf dem fünften Kontinent lassen.

Eine Million Menschen auf den Straßen

Aus Sicht der Gäste war es das Geld kaum wert, fünf Tage lang konnten sich die einheimischen Zuschauer daran erfreuen, wie ihre Mannen den ersten Schritt machten, um die Vorherrschaft zurückzugewinnen. Im Sommer 2005 war es nämlich den Engländern nach acht vergeblichen Anläufen endlich gelungen, wieder einmal zu siegen. Die erfolgreichen Spieler waren in London daraufhin von einer Million Menschen auf den Straßen gefeiert und von der Queen geehrt worden, viele Kinder wollten plötzlich lieber einen Cricketschläger als einen Fußball zum nächsten Geburtstag. Jahrelang waren die Engländer so hoffnungslos unterlegen, daß ihre bunte Fan-Truppe, die “Barmy Army” (verrückte Armee), mit schönster britischer Selbstironie meist den Song anstimmte: “We’re only loosing when we’re playing” – wir verlieren nur, wenn wir spielen.

Jetzt aber stehen die neuen Helden schon wieder mit dem Rücken zur Wand, was die “Times” düster so beschrieb: “England findet sich abermals in seiner traditionellen Rolle als hilfloses Opfer wieder.” Andere Kommentatoren sehen weniger schwarz, beschwören die “steife britische Oberlippe”, die niemals zittert, auch wenn es noch so weh tut. Weniger romantisch Verklärte berufen sich auf die letzte Ashes-Serie, als die Engländer im ersten Match ebenfalls heftig verloren, bevor sie die über fünf Spiele angelegte Serie gewannen. Ihnen würde übrigens ein Gesamt-Unentschieden reichen, um die Ashes zu verteidigen.

Alle in einer Sträflingskolonie

Die Ashes sind aber mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. Obwohl Australien seit über hundert Jahren ein selbständiger Staat ist, schwingt noch immer ein wenig vom Kampf zwischen der aufmüpfigen Sträflingskolonie und dem gestrengen Mutterland mit. Selbst im neuen Jahrtausend würden Vorstellungen aus dem 19. Jahrhundert gepflegt, so beschreibt David Rowe, der Direktor des Institutes für Kulturforschung in Sydney, den Rückgriff auf die Vergangenheit. Die Tausende Mitglieder zählende “Barmy Army” bringt es mit “You all live in a convict colony” (ihr lebt alle in einer Sträflingskolonie) etwas simpler und krasser auf den Punkt.

Die Australier haben in dieser Hinsicht derzeit nichts entgegenzusetzen. Ihr berühmtester Anhänger mit dem Spitznamen Yabba lehrte in den zwanziger und dreißiger Jahren die Engländer das Fürchten, als er von den billigen Plätzen in Sydney solche sprachlichen Juwelen wie diese absonderte: “Ich wünschte, du wärst eine Statue und ich eine Taube” oder “Laß die Fliegen in Ruhe, das sind hier deine einzigen Freunde”.

Eine kleine Urne

Auch das Spiel, heute begleitet von bunten Horden lauter Zuschauer, hat sich erheblich verändert. Es ist sportlicher geworden, schneller und attraktiver. Vor allem die Australier haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit Cricket-Akademien und dem konsequenten Anwenden sportwissenschaftlicher Erkenntnisse das einst großväterliche Spiel auf eine neue Ebene gehievt. Die Engländer scheuen inzwischen ebenfalls keine Kosten, ihr Team wird von allen nur denkbaren Sportspezialisten begleitet. Wie aufreibend der Kampf zwischen Schlagmann und Werfer sein kann, zeigte sich kurz vor Beginn der jetzigen Serie, als der Engländer Trescothick einen Nervenzusammenbruch erlitt, stundenlang von Weinkrämpfen geschüttelt in der Kabine verharrte und umgehend abreiste. Wem am Ende die Tränen kommen, das wird spätestens am 6. Januar feststehen, wenn das letzte Match der Serie in Sydney zu Ende geht.

Am kommenden Freitag startet in Adelaide das zweite Spiel. Die kleine Urne wird übrigens in jedem Fall wieder in den Lord’s Cricket Ground in England heimkehren. Sie ist derzeit zum zweiten Mal zu Besuch in Australien und zu alt und zerbrechlich, um regelmäßig hin- und herzureisen – obwohl sie in der ersten Klasse fliegt.

Text: F.A.Z., 29.11.2006, Nr. 278 / Seite 35
Bildmaterial: AFP, AP, PA, REUTERS

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Time to face the Enemy – Schlaflose Nächte

Montag, 27. November 2006 15:14

Wenn England in Australien um eine Urne kämpft, fiebert die Königin mit ihren
Untertanen. VON MARTIN FISCHER (Die Presse) 27.11.2006

Brisbane. Wenn Hunderttausende Engländer in den nächsten zwei Monaten verschlafen zur Arbeit kommen, dann liegt das einzig daran, dass in Australien um Asche gekämpft wird. Vorwürfe wird ihnen niemand machen, denn das Verhalten ist von höchster Stelle gedeckt. Auch die Queen und Tony Blair sitzen nächtens vor dem Fernseher, wenn sich die sportlichen Erzfeinde England und Australien um die Vorherrschaft im Cricket streiten. Wie in so vielen Sportarten, die in England “erfunden” wurden, ist das Mutterland längst nicht mehr die Nummer 1. Im Cricket, einem dem Baseball ähnlichen Schlag-und Wurf-Spiel, ging die Vorherrschaft schon 1882 erstmalig verloren.

Im traditionsreichen Londoner Oval-Ground unterlag England Australien, worauf die “Sporting Times” verkündete: “Das englische Cricket ist am 29. August 1882 im Oval verstorben. R.I.P.” In Anspielung auf den Artikel wurde den Engländern beim nächsten Spiel in Australien eine Urne überreicht. Der Inhalt: Verbranntes Cricket-Equipment. Die “Ashes” waren geboren, seitdem wird im zwei Jahres-Rhythmus um sie gekämpft. Einmal in England, einmal in Australien.

2005 wanderten erstmals seit 1987 die “Ashes” zurück nach England. Eine Million Menschen feierte ihr Team beim Triumphzug durch die Straßen von London. Andrew Flintoff, Kevin Pietersen und Co. sind spätestens seit damals absolute Nationalhelden. Der Sieg hatte für die englische Öffentlichkeit beinahe die Bedeutung eines Fußball-Weltmeistertitels. Wer dieser Tage in einer englische Zeitung blättert, wird vier Seiten Cricket, eine Seite Fußball vorfinden. In Australien ist die Begeisterung noch viel extremer.

Und das alles für ein Spiel, das oft 5 Tage dauert bis ein Sieger gefunden ist. 90.000 Zuschauer warten oft stundenlang, bis einer der Schlagmänner “out” ist.
Ein Umstand, der Cricket oft den Ruf der Langeweile einbringt.

In Österreich gibt es 400 Cricketspieler (zu 80 Prozent asiatischer Herkunft) und lediglich drei Plätze (Wien, Seebarn und Latschach), aber immerhin seit 1990 eine eigene Meisterschaft mit zwei Ligen. Verbandsobmann Michael Bailey, ein gebürtiger Engländer, kämpft um die Entwicklung und gegen Vorurteile: “Langweilig ist ein Unsinn. Keine andere Sportart verbindet Technik und Taktik derart perfekt.” Das Problem sei viel mehr, dass Cricket kaum in Filmen zu sehen sei. “Das führt dazu, dass wir mit Croquet und Polo verwechselt werden – aber Pferde gibt’s bei uns keine”, kann sich Bailey ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Das Regelwerk sei zwar “im Detail kompliziert”, die Grundzüge aber simpel: “Die einen werfen, während die anderen schlagen und Punkte zu erlaufen versuchen. Sobald alle Schlagmänner out sind, wird gewechselt. Mannschaft 2 versucht die Punkte der Mannschaft 1 zu übertreffen.” Fair geht es dabei immer zu. Cricket ist ein Sport für echte Gentlemen.

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Pressespiegel: Cricketspieler des VfB planen ein Mädchenturnier

Samstag, 25. November 2006 15:12

von Heinz Arndt
Ein europäisches Mädchen-Turnier plant die Cricket-Abteilung des VfB Oldenburg am 17. und 18. Februar in der Sporthalle der Universität am Uhlhornsweg. Erst in diesem Jahr war unter Abteilungsleiter Carsten Höfinghoff, das erste Oldenburger Cricket-Mädchenteam gegründet worden.

„Erfreulicherweise ist es uns gelungen, gleich bei der Premiere ein starkes Teilnehmerfeld zu verpflichten. Schirmherr ist der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann. Unterstützung erhalten wir ebenso von der Stadt Oldenburg“, freut sich Höfinghoff. Acht Mannschaften sollen nach den derzeitigen Planungen am Turnier teilnehmen. Es sind dies neben dem Oldenburger Mädchen-Team die Metropol-Teams Berlin und Schwerin sowie Mannschaften aus der Schweiz, Italien, Belgien, Großbritannien und den Niederlanden.

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Engländer geben den Ton an

Sonntag, 19. November 2006 15:11

Im Mai 1891 wurde der Deutsche Fußball- und Cricket Bund (DFuCB) in Berlin als zweiter Fußballverband in Deutschland gegründet. Die Gründung erfolgte als Alternative zum Bund Deutscher Fußballspieler (BDF), der vor allem auf Betreiben des BFC Germania 1888 keine ausländischen (vor allem britische) Spieler und Funktionäre zuließ.

Erster Meister wurde in der Saison 1891/92 The English FC 1890 mit vier Punkten Vorsprung vor dem BTuFC Viktoria 89.

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Vorstand erweitert – Europaturnier in Oldenburg

Sonntag, 19. November 2006 15:09

Von Heinz Arndt, Nordwest Zeitung
DOBBENVIERTEL – Zufrieden hat die Cricket-Abteilung des VfB Oldenburg bei ihrer Jahreshauptversammlung in der Gaststätte „Faust“ auf die Aufbauarbeit der vergangenen fünf Jahre zurückgeblickt.

„Auch wenn unsere Herrenmannschaft nicht am Ligabetrieb teilnimmt, hat sich Oldenburg zu einer Cricket-Hochburg im Norden entwickelt“, meinte Abteilungsleiter Carsten Höfinghoff, gleichzeitig Pressesprecher des Deutschen Cricket-Bundes. Grund hierfür seien die Aktivitäten im Jugendbereich sowie der Aufbau einer Mädchenmannschaft.

Für Mädchen veranstaltet der Verein am 17. und 18. Februar 2007 das erste Europäische Mädchenturnier in Oldenburg. Danach steht ein eigener Platz auf der Wunschliste der Cricketspieler: „Bisher richten wir unsere Spiele meist auf der Dobbenwiese aus“, sagt Höfinghoff. Ein spezieller Cricketplatz könne den Sport noch weiter nach vorn bringen. „Zudem sind wir mit Cricket bereits in vier Oldenburger Schulen vertreten. Das wird uns sicherlich noch weitere Mitglieder bringen”, hofft Höfinghoff.

Der Abteilungsleiter wurde bei der Jahreshauptversammlung im Amt bestätigt. Zudem wurde der Abteilungsvorstand erweitert. Ihm gehören jetzt der stellvertretende Leiter John Stock, Schriftführer Christian van den Hooven, die Schatzmeister Christian van den Hooven und Michel Norie, Jugendwart Dennis Rietz, Sportdirektor Calvin Goldstone und Damenwartin Antje Mathur an. Als Jugendtrainer fungieren Carsten Höfinghoff und Asoka Herath. Die Herren werden von Zahir Kurshid trainiert.

Carsten Höfinghoff freute sich zudem, dass sich zahlreiche Mitglieder der Cricketabteilung für Schiedsrichter- und Trainer-Lehrgänge angemeldet haben. Das werde nach Höfinghoffs Ansicht ebenso zu einer positiven Entwicklung von Cricket in Oldenburg beitragen wie die Aufnahme in das Hochschulsport-Angebot der Universität Oldenburg.

Die Cricketabteilung hatte mit zunächst zwölf Aktiven 2001 im „Oldenburger Cricketclub“ angefangen. 2004 schlossen sich die Cricketspieler dem VfB Oldenburg an, zudem entstand eine Jugendmannschaft.

In diesem Jahr kam nach einem Aufruf in der NWZ eine Mädchenmannschaft hinzu, die im Winter-Halbjahr in der Halle am Ligaspielbetrieb teilnimmt. Inzwischen hat sich die Zahl der Abteilungsmitglieder auf 40 erhöht.

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